Thomas Grechenig

Geschäftsführer, RISE – Research Industrial Systems Engineering F&E GmbH

Zum pragmatischen Kompromiss zwischen „harter Hochsicherheit der Telematik“ und alltäglicher mobiler digitaler Nutzung

Es steht in einer Welthochkulturregion wie Europa völlig außer Zweifel, dass kritische, persönliche Gesundheitsdaten der Bürgerinnen und Bürger verlässlich so zu schützen sind, dass  Missbrauchsszenarien a priori stark eingeschränkt bleiben. Dies erreicht man über ein Maßnahmen-Bündel auf unterschiedlichen Ebenen: juristisch, organisatorisch, regulatorisch, bewusstseinsschaffend und nicht zuletzt technisch und systemtechnisch.

Die deutsche Gesundheitstelematik (TI) ist in vielerlei Hinsicht wegweisend für einen technisch gut abgestützten starken Datenschutz in einem kulturstarken Europa mit selbstbestimmten Bürgerrechten. Gute Technik und gute Kulturtechnik. Verschiedenste Ursachen haben den gezielten Aufbau bisher verzögert und erzeugen so ein inzwischen schwer vermittelbares Spannungsfeld zwischen alltäglich nützlicher und verspürbarer Digitalisierung der Konsumentenwelt und dem real verfügbaren Status Quo.

Mobile und digitale Konzepte und Interaktionsformen, die wir täglich in anderen Feldern einfachst nutzen, z.B. bei Paketzustellungen oder im persönlichen Bezahl- und Bankwesen, erscheinen mit der TI schwer verheiratbar. Gleichzeitig sind z.B. die neuen digitalen Banken oft beispielgebend in Erscheinung und Usability, jedoch sicherheitstechnisch viel zu kurz gedacht und handwerklich zu dünn gebaut für die lebenslange Kritikalität des Gesundheitswesens.

Der pragmatische Kompromiss ist hier nicht schal. Nur zeitlicher und projekttechnischer Hochdruck führt die beiden Welten aus harter Hochsicherheit der deutschen TI und eine vorzügliche, alltägliche, mobile, digitale Nutzung zu einer perfekten Legierung zueinander. Eine neue Generation von digital-affiner Politik kann hier sehr hilfreich sein. Denn die Dominanz von Dr. Google oder das Labyrinth von 300.000 Dr. Apps ist keine Lösung, die Patienten, Ärzte und die Rechtsstaaten und Kulturregionen Deutschland und Europa haben wollen.

Der Vortrag skizziert Pfade und Leitplanken für diesen Weg.